Basismaßnahmen
Inhaltsverzeichnis
Unfall-/Krankheitsverhütung................................................
Allgemeine Maßnahmen.....................................................
Maulbinde............................................................................
Versorgung..........................................................................
Blutende Wunden................................................................
Druckverband......................................................................
Schnitt- und Risswunden....................................................
Pfotenverletzung..................................................................
Wundgelaufene Pfoten........................................................
Augenverletzungen..............................................................
Gliedmaßenverletzungen....................................................
Innere Verletzungen............................................................
Magendrehung....................................................................
Schock................................................................................
Vergiftung............................................................................
Ertrinken/Ersticken.............................................................
Elektrischer Stromschlag...................................................
Herzstillstand......................................................................
Transport............................................................................
Einige Checks:...................................................................
Gesundheit.........................................................................
Lebenszeichen..................................................................
Unsichere Todeszeichen...................................................
Sichere Todeszeichen......................................................
Anatomie des Hundes.......................................................
1. Allgemeine anatomische Untergliederung des Hundes
2. Skelett............................................................................
3. Aktiver Bewegungsapparat (Muskelsystem)
4. Innere Organe................................................................
5. Haut................................................................................
6. Interessantes über das Hundeauge...............................
-
Grundausbildung des Hundes (z. B. Begleithundprüfung)
-
In Straßennähe anleinen
-
Bedenke: Der Hund handelt instinktiv, nicht vernünftig.
-
Vollständiger Impfschutz
-
Fressen und Saufen nur zu Hause
-
Keine Knochen zum Fressen
-
Mit vollem Bauch nicht toben
-
Nicht mit Holzstöcken spielen
-
Hund, insbesondere im Sommer, nicht im geschlossenen Auto alleine lassen
-
Bleiben Sie ruhig, der Hund ist bereits aufgeregt.
-
Sprechen Sie im ruhigen, langsamen Ton mit dem Hund
-
Leinen Sie den Hund an
-
Ggf. Maulbinde
-
Überlegen Sie, welche Verletzungen der Hund haben könnte
-
Leisten Sie die gelernte Erste Hilfe
-
Bringen Sie den Hund zum Tierarzt
Schlinge aus Dreiecktuch, Hundeleine o.ä. breitem Material um den Fang binden, unter dem Maul kreuzen und hinter den Kopf führen. Mit einem Doppelknoten sichern.
Nicht anzuwenden bei:
-
Bewusstlosigkeit
-
Atembeschwerden/Nasenbluten
-
Hitzschlag
-
Erbrechen
-
Herz-/Kreislaufbeschwerden
-
(Verletzungen am Fang oder Kopf)
sitzend:
· Verletzungen im Bereich am Kopf, Hals oder Rücken
stehend:
· Verletzungen am Rumpf, obere Extremitäten und Schwanz
liegend:
· Verletzungen der unteren Extremitäten, (Pfoten)
Erkennen
Blutende Wunde
Schwellung
Gefahr
Infektion
Schock
Verbluten
Handeln
mit fließendem kalten Wasser spülen
im Wundgebiet Haare entfernen (soweit möglich)
Verband anlegen, Zehen und Ohren zwischenpolstern
Ggf. Druckverband – nicht abbinden !!
- Wunde (steril) abdecken
- Druckpolster auflegen (z.B. Verbandpäckchen)
- Binde ohne besonderen Zug darüber binden
- mit Pflasterstreifen am Fell sichern
Erkennen
Blutung
Schnittwunde: glatte Wundränder
Risswunde: gefranste Wundränder
Gefahr
Blutung
Infektion
Verletzung tieferliegender Regionen
(Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenke)
Handeln
kratzen, scheuern, lecken verhindern
Wundverband - ggf. Druckverband
Erkennen
Humpeln
Gefahr
Infektion
Verschlimmerung
Handeln
Kleine Fremdkörper entfernern
Wunde mit Kompresse abdecken
Zehen mit Watte o.ä. zwischenpolstern
Watte o.ä. um die Pfote wickeln (Polster für Daumenkralle)
1-2 Elastische Mullbinden bis über das erste Gelenk wickeln
Verband mit Klebestreifen am Fell sichern
Pfotenunterseite ebenfalls mit Klebestreifen sichern
Wichtig:
Mit ungepolstertem Verband darf der Hund
keinesfalls laufen !
- Mit Wasser kühlen
- wenig laufen lassen
- auf weichen Untergrund laufen lassen
- ggf. Pfote mit Socke vor Verschmutzung und Lecken schützen
Erkennen
Wunde im Augen-/Lidbereich
Zugekniffenes Auge
Tränenfluss
Kratzen am Auge
Gefahr
Entzündungen
Lidspalte
Bindehautverletzung
Sehschwäche /Erblindung
Handeln
Kratzen/Scheuern verhindern
betroffenes Auge verbinden
Bei Augapfelvorfall:
Feuchte Kompresse auf betroffenes Auge
Verband
Knochenbrüche, Verrenkungen, Verstauchungen, Zerrungen, Bissverletzungen etc.
Erkennen
Lahmheit/ Schonung einer oder mehrerer Gliedmaßen
Schwellung
Knochenbrüche: abnorme Achse der Gliedmaße
Merke:
Der Hund fällt auf die gesunde Seite und entlastet die Kranke
Gefahr
Dauerschäden
Handeln
geschlossene Brüche schienen, offene Brüche nur abdecken
Zerrungen u.ä. kühlen
unbedingt zum Tierarzt, der dann genaue Art der Verletzung feststellt und behandelt
Erkennen
Unfallhergang
Harter, geschwollener Leib
Schocksymptome
Gefahr
Verbluten
Bauchfellentzündung
Handeln
Ruhige, bequeme Lagerung
Sofortiger Transport zum Tierarzt
Erkennen
Eingezogener Bauch, gekrümmter Rücken
Hecheln
Unruhe
Würgen
später: aufgedunsener Bauch
Schocksymptomatik
Lebensgefahr
Handeln
Unverzüglicher Transport zum Tierarzt - Voranmeldung
Erkennen
Schneller, schwacher Puls (über 120)
Erhöhte Atemfrequenz (Hecheln)
Blasse/weisliche Schleimhäute
Schwäche/Zittern
Kalte Ohren, Beine/Schwanz
Teilnahmslosigkeit, Apathie
Gefahr
Kreislaufversagen
Nierenschaden
Handeln
Äusserste Ruhe
möglichst hinlegen, hinteren Körperteil erhöht
Zuspruch
Frische Luft
Blutungen stillen
Wärmeerhaltung
Aufnahme über
- Haut/Schleimhaut (z.B. Insektengift)
- Atemwege (z.B. Abgase)
- oral/ mit Futtermittel (z.B. Arznei- oder Putzmittel)
Erkennen
Apathie « Unruhe, Zittern
|
Aufnahmeweg
|
Symptome
|
|
Haut/Schleimhaut
|
Rötung, Blutungen, Juckreiz, Quaddeln, Schwellung
|
|
Atemwege
|
Ersticken, Röcheln, Husten
|
|
Magen/ Darm
|
Durchfall und Erbrechen (evtl. blutig), Speicheln, schmerzhafter Bauch
|
Gefahr
Schock
(inneres) Verbluten
Schädigungen des Magen-/Darmtraktes bzw. der Atemwege
Handeln
Giftaufnahme beobachtet: Gift zum Tierarzt mitbringen
kein Erbrechen herbeiführen, falls ätzende Mittel aufgenommen wurden
keine Milch, Kohle oder Öl geben
bei Aufnahme über Atemwege: Frischluft
bei Hautkontakt: gründlich nur mit Wasser waschen
Erkennen
nach Luft schnappen, Husten, fehlende Atemtätigkeit
Hund bleibt lange unter Wasseroberfläche oder ist in Eis eingebrochen
Handeln
- Hund an den Hinterläufen hochhalten und hin und her schwenken
- Atmung durch kräftige Brustmassage anregen;
- evtl. Mund- zu Nasebeatmung
- evtl. Fremdkörper aus Rachen entfernen
Erkennen
Blitzschlag
angefressene Kabel, Kurzschluss (z.B. nach Urinabsatz in Schalter)
verkrampfte Körperhaltung
Gefahr
bleibende Nervenschädigungen
Schock
Tod
Handeln
- Stromzufuhr unterbrechen oder Hund mit nicht leitendem Material (Holzstiel, Gummistiefel) von Stromquelle trennen
- Atmung und Herztätigkeit überwachen
- ggf. Wiederbelebung
- eventuelle Verbrennungen kühlen und steril abdecken
Erkennen
kein Heben und Senken der Rippen und Flanken
Handeln
- mit kaltem Wasser übergießen
- Mund- zu Nase-Beatmung:
- Fang schließen
- Kopf überstrecken
- mit dem Mund vorsichtig Luft in die Nase einblasen, bis Brustkorb sich hebt
- Frequenz ca. 1x in 2 Sekunden
Erkennen
- Herzschlag an linker Brustwand nicht sichtbar/fühlbar
- Puls und Herzschlag nicht tast- bzw. hörbar
- (Pulskontrolle an Innenseite des Oberschenkels)
- Schleimhäute bläulich-lila
Handeln
Herzmassage
- kleine Hunde: Hand umfasst Brustkorb, Daumen liegt auf linker Brustseite
- mittlere Hunde: einen Handballen auf linke Brustwandseite
- große Hunde: beide Hände auf linke Brustwandseite
- Frequenz ca. 2x pro Sekunde
- 5 x Drücken, 2 x Beatmen - im Wechsel
- nach ca. 5 Zyklen = Pulskontrolle
» möglichst selbst laufen lassen
» Bezugsperson begleitet den Hund
» Hund tragen:
» Verletzungen nicht zum Tragenden
» verletzte Gliedmaßen hängen frei
» schwer verletzte Hunde mit Korb oder Decke transportieren - zwei Personen tragen
» bei Beckenbrüchen/starken Schmerzen:
» auf harter Unterlage tragen oder mit mehreren Personen
» Durchhängen verhindern
» rechte Seitenlage (Herzentlastung)
» möglichst nicht auf Wunden legen
» bei einseitigen Rippenbrüchen: - auf verletzte Seite legen (Atemerleichterung)
» Brüche ruhig stellen
» bei Schocksymptomen:
» Kopf tief lagern
» hinteren Rumpf mit Decken o.ä. hoch lagern
» bei Atemnot:
» Kopf und vorderen Rumpf hoch lagern
» Möglichst Unbeteiligte zum Tierarzt fahren laßen (Taxi)
» während der Fahrt beim Hund bleiben
» Fahrt kurz halten
Kein Ausfluss aus der Nase
Rosa Schleimhäute
Normale Atmung (30-50/20-30)
Normale Temperatur (38 – 39 C)
Normaler Puls (90-120/70-100)
Keine Schmerzreaktionen
Kein ständiges Schütteln oder Kratzen
Keine Hautdefekte
Glänzendes Fell
Kein aufgedunsener Leib
Keine Lahmheit
Kein Durchfall
Atmung vorhanden
Puls vorhanden
Reaktion auf Ansprache
Lidreflex
Zwischenzehenreflex
Hornhautreflex
Weiße Schleimhäute
Kalter Körper (nicht Beine/Ohren !)
eingetrocknete Augen
Totenstarre
Verwesung
|
Vorderhand
Kopf
Genick
Hals
Vorderbrust
Schulter
Vorderläufe
Pfoten
|
Mittelhand
Widerrist
Rücken
Seitenbrust
Unterbrust
Bauch
Nierengegend
Lendengegend
Weichen
|
Hinterhand
Kruppe
Hüfte
Rute
After
Geschlechtsorgane
Hinterläufe
Pfoten
|
2.1. Allgemeine anatomische Unterteilung des Skeletts
|
Achsenskelett
|
Gliedmaßenskelett
|
|
Schädel
Knochen des Geschichtsschädels
Knochen des Gehirnschädels
|
Rumpf
7 Halswirbel
13 Brustwirbel
13 Rippenpaare
Brustbein
7 Lendenwirbel
Kreuzbein
15-20 Rutenwirbel
|
Vordergliedmaßen
Schulterblatt
Oberarmbein
Unterarmbein
Handwurzelknochen
Mittelhandknochen
Fingerknochen
|
Hintergliedmaßen
Becken (Hüftbein)
Oberschenkelbein
Unterschenkelbein
Sprungbein
Fußwurzelknochen
Mittelfußknochen
Zehenknochen
|
|
|
|
|
|
2.2. Gelenke, allgemein
Die beweglichen Verbindungen zwischen den Knochen werden als Gelenke bezeichnet.
2.3. Achsenskelett
Das Achsenskelett besteht aus dem Schädel und dem von der Wirbelsäule und dem Brustkorb gebildeten Rumpf.
Schädel
Der Schädel ist die Gesamtheit aller Kopfknochen. Man unterscheidet die Knochen des Hirnschädels von denen des Gesichtsschädels. Der Hirnschädel umfasst alle Bestandteile des Schädels, die die Hirnkapsel oder Schädelhöhle formen, in der das Gehirn und seine Gehirnhäute liegen. Die Knochen des Gesichtsschädels fügen sich zu einer Kapsel zusammen, die die Nasenhöhle umschließt. Beim Hund liegt der Gesichtsschädel vor dem Hirnschädel (beim Menschen unter ihm). Durch diese Vorlagerung entstehen beim Hund größere Ansatzflächen für die Kaumuskulatur.
Rumpf
Die Wirbelsäule gehört neben den Rippen und dem Brustbein zum Körperstamm (Rumpf). Sie ist mit dem Schädel über das erste Kopfgelenk gelenkig verbunden. Dieses gestattet auf Grund der ellipsoiden Form seiner Gelenkflächen sowie der Anordnung der Gelenkbänder im wesentlichen nur eine Beugung und Streckung, also Nickbewegung. Das zweite, darauf folgende, Kopfgelenk gestattet überwiegend rotierende Bewegungen des Kopfes. Alle Wirbel zeigen einen einheitlichen Bauplan. Sie bestehen aus einem Wirbelbogen und den Wirbelfortsätzen. An den Wirbelfortsätzen lassen sich die verschieden Abschnitte der Wirbelsäule erkennen. So fehlen im Bereich der Halswirbel z.B. die hohen Dornfortsätze, Brustwirbel zeichnen sich wiederum durch besonders hohe aus, Lendenwirbel durch lange Querfortsätze aus. Die Kreuzwirbel verschmelzen zum Kreuzbein und die Schwanzwirbel verlieren zum Schwanzende hin zunehmend die Merkmale eines Wirbels.
Die Rippen bilden die knöcherne Seitenwand des Brustkorbes; der nicht knöchern abgestützte Abschnitt wird auch Flanke genannt. Sie sind oben gelenkig mit den Brustwirbeln und unten mit dem Brustbein verbunden. Insgesamt besitzt der Hund 13 Rippen, neun wahre oder Tragerippen und vier falsche oder Atmungsrippen. Die ersteren haben eine direkte Verbindung zum Brustbein, die letzteren eine indirekte, über den Rippenbogen. Der letzte Abschnitt des Körperstammes ist das Brustbein. Es bildet den Boden des Brustkorbes und stellt einen nach unten durchgebogenen Knochenstab dar, welcher aus acht Skelettstücken besteht, die im Alter m. o. w. stark knöchernen verwachsen. Ihm sind die Knorpel der wahren Rippen angelagert.
2.4. Gliedmaßenskelett
Vordergliedmaßen
Die Vordergliedmaßen bestehen aus Schulterblatt, Oberarm, Elle und Speiche (Unterarmbein) und den Handknochen. Diese setzen sich wiederum zusammen aus: Handwurzel-, Mittelhand- und Fingerknochen.
Keine gelenkige Verbindung zwischen Schulterblatt und Rumpf, sondern eine muskulös-bindegewebige Verbindung (kein Schlüsselbein)!
Schultergelenk
Kugelgelenk, einfaches Gelenk (d.h. nur Verbindung zwischen zwei Knochenanteilen), beteiligte Knochen: Schulterblatt und Oberarm.
Ellenbogengelenk
Drehgelenk, zusammengesetztes Gelenk (d.h. mehr als zwei Knochenteile stehen in Verbindung), beteiligte Knochen: Oberarm, Speiche, Elle. Im Gegensatz zum Menschen sind beim Hund Elle und Speiche nur gering umeinander drehbar.
Die Gelenke der Hand-, hier passender: Vorderfussknochen, sind wenig beweglich.
Hintergliedmaßen
Die hinteren Gliedmaßen setzen sich aus dem mehrteiligen Hüftbein (als knöcherne Grundlage der Beckengliedmaße), Oberschenkelknochen, Kniescheibe und Schien- sowie Wadenbein (Unterschenkelbein), Hinterfußmittelknochen sowie Zehenknochen zusammen.
Gelenkige Verbindung zum Rumpf!
Durch das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk ist die Beckengliedmaße straff mit dem Rumpf verbunden. Diese Straffheit ist notwendig, damit es zu keinem Verlust bei der Kraftübertragung von den Beckengliedmaßen auf den Rumpf kommt.
Hüftbein
Die knöcherne Grundlage der Beckengliedmaße bildet das Hüftbein (entstanden aus dem zusammenwachsen des Darm-, Scham- und Sitzbein), das Oberschenkelbein, die Unterschenkelknochen und die Fußknochen (setzen sich zusammen aus: Fußwurzel-, Mittelfuß- und Zehenknochen). Das Hüftbein ist besonders interessant; es trägt die Hüftgelenkspfanne. Diese ist ein wichtiger Bestandteil des Hüftgelenks und beherbergt den Hüft- oder Oberschenkelkopf. Es stellt ein normales Kugelgelenk dar, bei dem weniger als die Hälfte des Hüft- oder Oberschenkelkopfes von der Hüftgelenkspfanne umfasst wird. Der Hüft- oder Oberschenkelkopf ist normalerweise kugelrund und zeigt erst nach krankhaften Veränderungen Abweichungen von dieser Form.
Kniegelenk
Zwischen dem Oberschenkelbein und den beiden Unterschenkelknochen (Schien- und Wadenbein) liegt das beim normal stehenden Hund gebeugte Kniegelenk. Es ist aus zwei Gelenken zusammengesetzt, dem Kniekehlgelenk und dem Kniescheibengelenk. Die zwei Menisci (halbmondförmige Knorpelscheiben) gleichen die etwas ungleiche Form der beiden Gelenke aus und laßen sie so deckungsgleich erscheinen. Das Kniescheibengelenk wird von der Kniescheibe und der Walze des Oberschenkelbeines gebildet. Es ist ein einfaches Gelenk, in dem die Kniescheibe wie ein Schlitten über die Gelenkfläche der Oberschenkelwalze auf und ab gleitet (Schlittengelenk). Die Gelenksäcke des Kniekehlgelenks kommunizieren zum einen untereinander, zum anderen mit dem des Kniescheibengelenks. Interessant und wichtig sind die beiden Kreuzbänder, das vordere und das hintere. Normalerweise haben sie die Aufgabe, das Oberschenkelbein und die Unterschenkelknochen zusammenzuhalten. Sie unterstützen dabei die Seitenbänder des Kniekehlgelenkbandes in ihrer Funktion, eine Drehung des Gelenkes zu verhindern. Bei straffer Anspannung sind die für Verletzungen jedoch sehr anfällig. Bei Überdehnung und gleichzeitiger Zerrung können sie reißen. Ein Riss des vorderen Kreuzbandes kann man u. a. dadurch erkennen, dass das Schienbein gegenüber dem Oberschenkelbein abnorm weit nach vorn verschoben wird. Das hintere Kreuzband kann vor allem in der Beugestellung des Kniegelenks reißen. Sein Riss verursacht eine übermäßige Rückverlagerung des Schienbeins.
Die Menisken der Hunde sind ebenfalls für Verletzungen anfällig. Sie werden besonders dann leicht geschädigt, wenn der Unterschenkel bei gestrecktem Kniegelenk und fixiertem Fuss gedreht wird. Eine solche Situation kann z. B. dann auftreten, wenn der Hund schnell rennt und dann versucht, einen Richtungswechsel vorzunehmen.
Zum aktiven Bewegungsapparat gehören die Strukturen, die sich aktiv bewegen, also die Muskeln. Die von ihnen bewegten Knochen und Gelenke stellen den passiven Teil dar. Muskeln können sich auf einen nervösen Reiz hin aktiv zusammenziehen (kontrahieren). Die Muskeln allein können aber noch keine Bewegung einzelner Körperteile (Körperbewegung) oder die des Gesamtkörpers (Ortsbewegung) erreichen. Dazu benötigen sie noch einige Hilfsstrukturen, z. B. die flächenhaft, bindegewebsartigen Häute, welche den Muskel umgeben (Faszien), Sehnenscheiden sowie Schleimbeutel. Diese Hilfsstrukturen sind die passiven Trag- und Haltevorrichtungen des Skeletts, sie sind beim Hund verhältnismässig schwach ausgebildet. Dafür besitzt er eine um so stärker entwickelte Muskulatur. Diese verleiht allen seinen Bewegungen die enorme Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Präzision. Die Folge der schwachen Ausbildung der Bänder, Sehnen und Faszien beim Hund ist, dass ein Grossteil seiner Körpermaße durch aktive Muskelarbeit getragen werden muss (das Pferd besitzt z. B. einen sog. Stehapparat). Der Hund sucht deshalb bei jeder Gelegenheit durch Absitzen oder Abliegen seine Muskulatur zu entlasten.
Zu den inneren Organen gehören: Herz- und Gefäßsystem, Atmungsorgane, Verdauungsorgane, Harn- und Geschlechtsorgane sowie die innersekretorischen Drüsen.
4.1. Herz und Gefäßsystem
Das Herz pumpt über die Arterien die gesamte Blutmenge in die Organe des Körpers. Über die Venen fließt das Blut zum Herzen zurück. Unterschiedliche Blutdruckwerte in den Arterien und Venen gewährleistet die Organdurchblutung. So werden alle Körperzellen ununterbrochen mit z.B. Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Um den Körperkreislauf in Gang zu halten, muss das Herz eines Hundes in Ruhe ca. 70 – 120 Schläge pro Minute durchführen.
4.2. Atmungsorgane
Bei der Atmung erfolgt über Atemwege und Lunge ein Gasaustausch zwischen Umwelt und Blut. Sauerstoff wird aufgenommen, Kohlendioxid abgegeben. Der Blutkreislauf transportiert den aufgenommenen Sauerstoff von der Lunge zum Ort des Verbrauchs (Körpergewebe) und Kohlendioxid vom Ort der Produktion (Körpergewebe) zur Lunge.
Der Hund atmet die Luft durch die Nase oder den Fang ein. Die Lunge besteht aus einem rechten- und linken Lungenflügel, in denen der Gasaustausch (Sauerstoff in das Blut und Kohlendioxyd aus dem Blut) stattfindet. Die Rippen und Zwischenrippenmuskulatur sowie das Zwerchfell, das den Brustraum von der Bauchhöhle trennt, werden hierbei benötigt.
4.3. Verdauungsorgane
Für die Funktion der verschiedenen Körpersysteme ist das Bereitstellen von Energie im Stoffwechsel der einzelnen Zellen notwendig. Dazu werden sog. Nährstoffe mit der Nahrung zugeführt und in die Zellen befördert. Sie können jedoch nicht in der durch die Nahrung angebotenen Form von den Zellen aufgenommen werden. Daher ist eine Zubereitung (Verdauung) zur Aufnahme (Resorption) unumgänglich. Diese Funktion übernimmt der Verdauungstrakt.
Schematischer Ablauf der Verdauung
|
Abschnitte
|
|
Lokalisation
|
Funktion
|
|
Mundhöhle
|
|
Kopf
|
Nahrungsaufnahme, Kauen, Sekretion, Beginn der Verdauung, Schlucken
|
|
Rachen
Speiseröhre
|
|
Kopf, Hals
|
Nahrungstransport
|
|
Magen
|
|
Bauchhöhle
|
Sammlung, Sekretion, Verdauung
|
|
Zwölffingerdarm
Leerdarm
Krummdarm
Anhangsdrüsen des Zwölffingerdarms:
Leber
Bauchspeicheldrüse
|
Dünndarm
|
Sekretion, Verdauung, Resorption
|
|
Blinddarm
Wurmfortsatz
Dickdarm
|
Dick-
darm
|
Resorption, Wasserentzug
|
|
Mastdarm
|
|
Becken
|
Ausscheidung
|
Aufbau der Zähne
Zahnbein es enthält die Zahnhöhle, diese wird von Bindegewebe, Blutgefässen und Nerven gebildet
Zahnschmelz ist die härteste Substanz des Körpers
Es gibt schmelzhöckerige und schmelzfaltige Zähne
Zahnzement stellt den Überzug jenes Zahnteils dar, der im Zahnfach steckt
Allgemeine Zahnformel des bleibenden Gebisses
Ober.- Unterkiefer
|
Schneidezähne
|
3
|
3
|
|
Haken- oder Eckzähne
|
1
|
1
|
|
Backenzähne, vordere
|
4
|
4
|
|
Backenzähne, hintere
|
2
|
3
|
In der 3. bis 4. Lebenswoche treten beim Welpen die ersten Milchzähne hervor, mit folgendem Umfang: 12 Schneidezähne, 4 Haken- oder Eckzähne und 16 Backenzähnen. Der Zahnwechsel beginnt etwa im 3. Lebensmonat und ist etwa im 6. bis 9. Monat vollzogen.
Gebissformen
Scherengebiss
Das normale Gebiss eines Hunde, die Schneidezähne des Unterkiefers greifen etwas hinter denen des Oberkiefers.
Zangengebiss:
Dort stehen die Schneidezähne des Oberkiefers und Unterkiefers genau aufeinander.
Unterbiss:
Der Unterkiefer ist hierbei stark verkürzt, die Schneidezähne stehen beim Beissen unter dem Gaumen.
Überbiss:
Der Oberkiefer steht weit über dem Unterkiefer hinaus.
Die Haut schützt den Hund vor Umwelteinflüssen und besteht aus: Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut. Die wichtigsten Funktionen der Haut sind unter anderem die Speicherung von Blut, die Regulierung des Wärmehaushaltes, Schutz vor chemischen, thermischen und anderen Einflüssen und das Ausscheiden bestimmter Stoffwechselprodukte.
Als Hautanhangsgebilde sind die Haare, Talg- und Schweißdrüsen sowie die Krallen zu nennen. Die Wolfskralle befinden sich an den Hinterläufen und werden in der Regel 2 bis 3 Tage nach der Geburt entfernt.
Hundeaugen sind in idealer Weise an die Jagd bei Dämmerung angepasst. Ihr Augenhintergrund reflektiert einfallendes Licht und beleuchtet die Sehzellen zweimal. Die höhere Lichtempfindlichkeit verringert allerdings die Sehschärfe:
Der Hund nimmt einen 6 Meter entfernten Gegenstand etwa so detailliert wahr, wie wir Menschen ihn in etwas 22 Meter Entfernung sehen würden.
Auch der Bereich des Scharfsehens ist beim Hund kleiner als beim Menschen: Objekte, die weniger als einen halben Meter entfernt sind, kann der Hund nicht mehr gut scharf stellen, viele Hunde haben zusätzlich bei der Fernsicht Probleme.
Nur zwei verschiedene Arten von Farb-Sinneszellen gibt es im Hundeauge – verglichen mit drei Arten beim Menschen.
Dem Hund fehlen die roten Bereiche des Farbspektrums, er sieht die Welt wie ein Mensch mit Rot-Grün-Sehschwäche. Die geringer Zahl der Farb-Sinneszellen bedingt ein blasseres Farbsehen.
Bewegte Objekte erkennen Hunde wesentlich besser als unbewegte. Das Gesichtsfeld des Hundes ist größer als beim Menschen, aber der Bereich des räumlichen Sehens kleiner.